Unsere erste Bordeaux Experience – ui ui – das könnte teuer werden.

Die Einladung kam von der lieben Michaela, die wir in Krems im Winzerjahr kennen gelernt hatten. Wir freuten uns, sie und Christian wieder zu sehen und für die Teilnahmegebühr von 140€ waren wir dabei. 20190619_220828_resized_1

Liebe Weinfreunde,
nach der verkostungsreichen Zeit für die Weinguides komme ich endlich wieder dazu selbst eine tolle Verkostung zu organisieren. Mit großer Vorfreude möchte ich euch zu meiner Bordeaux-Verkostung einladen. Im Fokus steht der allseits gelobte Jahrgang 2016. Um der Größe des Jahrgangs auf den Grund zu gehen, vergleichen wir in 2er-Flights jeweils einen 2016er mit dem gleichen Wein eines anderen Jahrgangs. Dabei bewegen wir uns schwerpunktmäßig in der letzten Dekade, aber als Highlight ist auch einer aus den 80er-Jahren dabei. Außerdem werden wir noch in einigen Flights 2016er direkt vergleichen, dabei geht es um die Kardinalfrage „Links oder rechts?“. Natürlich wird jede wichtige Appellation zumindest einmal vertreten sein.
Insgesamt verkosten wir zehn 2er-Flights in der ungefähren Preisrange von 20 bis 400 Euro. Die Highlights sind sicher die 2 Jahrgänge vom Château Léoville Las Cases vom linken Ufer und vom Château Figeac 1° Grand Cru Classé „B“ vom rechten Ufer. Aber auch andere Granaten helfen uns bei der Suche nach dem ultimativen Genuss. Dabei degustieren wir einen Mix von klassifizierten Châteaus wie Cantenac-Brown, Duhart-Milon, Pontet Canet und Saint Pierre sowie von unterschätzten Aufsteigern wie Haut-Marbuzet, La Pointe, Olivier und Sociando Mallet und andere. Ich verkoste seit 10 Jahren den neuen Jahrgang bei der Union-Grand-Cru-Verkostung auf der Prowein und habe die Weine mit dem meiner Meinung nach besten Preis-Genuss-Verhältnis in ihrer Klasse und ihrem Gebiet zusammengestellt.

Wann? Am Mittwoch, 19. Juni 2019 pünktlich von 18:30 bis 22:30
Wo? Vinothek Punkt 404, 1050 Wien, Bräuhausgasse 40/4

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An einem sehr heißen Mittwoch, pünktlich um 18:15 trafen wir ein. Die Runde war Männer dominiert (3 Damen, 21 Herren) und langsam trudelten sie alle ein. Es gab zwei Rieslinge zum Erfrischen und Avinieren (Gläser für die Verkostung Vorbereiten). Wir waren so gespannt, was uns erwartete.

Jahrgang 2016 war Hammer,

er würde uns die  ganze Verkostung lang begleiten. Johannes gestaltete den vierstündigen Abend äußerst spannend und kurzweilig – sogar wir als Bordeaux Rookies konnten mit raten und der Blindverkostung viel Spannendes und Lehrreiches abgewinnen.

Erst gab es eine Reise durch die unterschiedlichen Appellationen – mit Fokus auf das linke Ufer. Dann den Altersvergleich. Im 20 Minuten Takt gabs die 2er Flights. Verkostet wurde blind, die Weine wurden in dunklen Beuteln durchgegeben. Sie waren jeweils mit 1.1 (erster Wein, erste Flasche), 1.2 (erster Wein, 2. Flasche) und 2.1 (zweiter Wein, erste Flasche) und 2.2 (zweiter Wein, zweite Flasche) beschriftet.

Ich saß übrigens neben Leberl Alexander, vom Weingut Leberl. Er ist Quereinsteiger aus der Telekom Branche und jetzt Kellermeister im Familienbetrieb.

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1. Flight: Beschäftigte sich mit der Frage Graves oder Medoc.

Johannes gab uns den Tipp: Weine aus Graves haben sanftes Tannin, Weine aus Medoc haben straffes Tannin. Beide Weine hatten einen Verkaufspreis von etwa 15€.

1.1 (1) Appellation Graves: Chateau de Changetrive (2016, 13,5%, 50 CS, 50 ME, 16€)

1.2 (2) Appellation Medoc: Chateau d’Esurac (2016, 14%, 50 CS, 50 ME, 14€)

2. Flight: Es galt festzustellen, welches der elegantere und teurere Wein war.

Präsentiert wurden Weine aus Moulise und Lestrac

2.1 (3) Appellation Moulis: Chateau Poujeaux (2016, 13,5%, 50 CS, 40 ME, 5 CF, 5 PV, 35€) Mehr Eleganz, gut eingebaute Tannine – Mein erster Favorit des Abends. ❤

2.2 (4) Appellation Listrac: Chateau Fonreaud (2016, 14%, 54 CS, 42 ME, 4 PV, 18€) mehr Strutur, mehr Säure, mehr Alkohol. Super Preis Leistungsverhältnis.

3. Flight: Es ging darum, den Wein vom rechten Ufer zu erkennen.

3.1 (5) Appellation Pessac-Leognan: Chateau Oliver (2016, 14%, 45 CS, 45 ME, 10 CF, 35€)- hat mehr Tannin, aber feineres Tannin

3.1 (6) Appellation Pomerol: Chateau La Pointe (2016, 14%, 91 ME, 9 CF, 53€) – hat weniger Tannin aber gröberes Tannin. Sieht wegen des Merlots auch älter aus.

4. Flight: Es ging darum den feminineren Wein herauszufinden. WTF: Was bedeutet feminin in diesem Kontext?

Zum Glück entbrannte eine heftige Diskussion über den Begriff <feminin> – der sich – wenigstens in unserer Runde – nicht eindeutig festlegen ließ. Wann ist ein Wein feminin? Wir am oberen Ende der Tafel kamen einvernehmlich zum Ergebnis, dass das untere Ende der Tafel Walküren feminin fand. Wir hatten eine andere Definition des Begriffes eher im Sinne von Ballerina.

4.1 (7) Appellation Saint Estephane: Chateau Haut-Marbuzet (2016, 13,5%, 50 CS, 40 ME, 5 CF, 5 PV, 50€) Der Femininere (für die anderen 😉

4.2 (8) Appellation Saint Julien: Chateau Saint Pierre (2016, 13,5%, 74 CS, 20 ME, 6 CF, 70€) Der Joghurtige

Ab jetzt galt es den 2016er Jahrgang mit älteren Geschwistern zu vergleichen.

Dazu gab es eine kurze Einführung in die wichtigsten Jahrgänge. Es war immer einfach zu erkennen, welcher der ältere Wein war. Den richtigen Vergleichsjahrgang zu erkennen, war nicht so einfach. Aber die Experten der Runde schafften sogar diese Übung.

  • 2008: Jetzt gut trinkbar.
  • 2010: kühler als 2009, bringt langlebige und teure Weine
  • 2014: klassische Struktur, aber nicht so toll wie 2010
  • 2015: ein heißes Jahr – sehr alkoholreiche Weine, v.a. vom rechten Ufer.

*Negative Preis-Differenz meint, der jüngere Wein ist teurer als der ältere. Der Wert gibt den Summenwert beider Flaschen des Flights an.

5. Flight: 2 Jahre Unterschied, -8€ Differenz*, Wert: 76€

5.1 (9) Appellation Haut Medoc: Chateau Sociando Mallet (2014, 13,5%, 50 ME, 47 CS, 3CF, 34€) – Schaut älter aus

5.2 (10) Appellation Haut Medoc: Chateau Sociando Mallet (2016, 14%, 50 ME, 47 CS, 3CF, 42,5€) schmeckt gereifter

6. Flight: 13 Jahre Unterschied, 18€ Differenz, Wert: 185€

6.1 (11) Appellation Pauillac: Chateau Duhart-Milon(2016, 13%, 67 CS, 33ME, 82€)

6.2 (12) Appellation Pauillac: Chateau Duhart-Milon(2003, 13%, 67 CS, 33ME, 103,60€) Nice. ❤

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7. Flight: 6 Jahre Unterschied, 9€ Differenz, Wert: 135€

7.1 (13) Appellation Margaux: Chateau Cantenac-Brown (2016, 13,5%, 68 CS, 32ME, 63€)

7.2 (14) Appellation Margaux: Chateau Cantenac-Brown (2010, 13,5%, 68 CS, 32ME, 72€) Günters Favorit des Abends. ❤ Hat einen Hauch von Liebstöckl (Suppenwürfel)- der lüftet aber mit der Zeit aus. Die erfahrenen Experten unserer Runde empfehlen, den Wein noch weiter liegen zu lassen – der wird noch besser.

Mittlerweile werden die Mitschriften immer magerer – es war heiß, intensiv und herausfordernd – und getratscht haben wir mittlerweile auch recht viel.

8. Flight: 8 Jahre Unterschied, -43€ Differenz*, Wert: 325€

8.1 (15) Appellation Pauillac: Chateau Pontet Canet (2008, 13%, 65CS, 30ME, 3CF, 2PV, 131€)

8.2 (16) Appellation Pauillac: Chateau Pontet Canet (2016, 14,5%, 65CS, 30ME, 3CF, 2PV, 174€) Absolut grandios. Wurde sofort zu unserem Liebling. ❤

9. Flight: 11 Jahre Unterschied, -60€ Differenz*, Wert: 480€ -> RECHTES UFER

9.1 (17) Appellation Saint Emilion: Chateau Figeac (2016, 13,5%, 35CS, 35CF, 30ME, 270€)

9.2 (18) Appellation Saint Emilion: Chateau Figeac (2005, 13,5%, 35CS, 35CF, 30ME, 210€). Typisch ist hier der Geschmack nach getrockneten Tomaten, der an Sugo erinnert. Das ist die Merlot-lastigkeit des rechten Ufers. Wäre es mehr Cabernet, wie es typisch für das linke Ufer ist, hätte mehr Würze und Kräuter.

10. und finaler Flight: 35 Jahre Unterschied, -230€ Differenz*, Wert: 510€. Den schenkte der Gastgeber persönlich ein.

10.1 (19) Appellation Saint Julien: Chateau Leoville Las Cases (1981, ?, 140€)

10.2 (20) Appellation Saint Julien: Chateau Leoville Las Cases (2016, 13,5%, 38 CS, 36 ME, 26 CF, 370€) ❤ ❤ ❤

Vom letzten Wein waren alle überzeugt.

Er bekommt 3 Herzen. Ich ließ mir von den Experten erklären, warum dieser Wein so viele Punkte bekommen hatte: Die Antwort: „Wofür soll man hier Abzüge geben?“

Eigentlich logisch.

Was bleibt vom Abend?

Nun, natürlich die dunkel gefärbten Zähne.

Und dann die Erkenntnis: Der ältere Wein muss nicht immer der teurere sein.

Und die Freude darüber, dass wir noch nicht bereit für das Thema Bordeaux sind, und wir einstweilen noch den österreichischen Zweigelts, Blaufränkischen und Pinots treu bleiben werden, was eindeutig besser fürs Börserl ist 🙂

Schmeckt ein gereifter Bordeaux nach Sugo (trockenen Tomaten) dann ist mehr Merlot drin und er kommt von der rechten Seite im Bordeaux. Schmeckt er eher würzig, dann ist mehr Cabernet Sauvignon drin und er ist eher von der linken Seite.

Der jugendliche Merlot zeigt mehr Schokolade beziehungsweise Mohntorte und der junge Cabernet erinnert an schwarze Johannisbeere in warmen Jahrgängen und Rosenpaprika in kühlen Jahrgängen.

Zum Meer hin werden die Tannine straffer, ins Landesinnere hingegen sanfter.

Vielen Dank Johannes, ein gelungener Event! Wir freuen uns, dass du uns auf den Verteiler genommen hast, wir sind gerne wieder mit dabei!

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