Der rote Faden im Weinbau – so schließt sich der Kreis:

Nach den fünf Modulen des Winzerjahres haben wir so viele Erkenntnisse mitgenommen. Das mühsam auf der Weinakademie erworbene Wissen, das wir teilweise auswendig lernen mussten, um es uns zu merken, ergibt auf einmal alles Sinn.

Im nächsten Leben mach ich zu erst den Winzerkurs und dann die Weinakademie. Praxis ist einfach alles. Wenn man einmal am Feld gestanden hat, ist alles auf einmal ganz logisch. Ist aber nicht so schlimm.

Lieber nach 5 Jahren diese Erkenntnis, als gar nie.

  • Es geht ja immer um die perfekten Trauben.
  • Die Unterlagsrebe wählt man passend zum Boden.
  • Das Edelreisig wählt man passend zum Klima und zur Gegend und natürlich zum Wein, den man machen möchte.
  • Die Erziehungsform wählt man nach den Bedingungen (will man die Wärme vom Boden nutzen, will man automatisiseren, ist es windig,…)

Das Laub soll dicht genug sein, um die Trauben zu beschatten und für ausreichend Photosynthese zu sorgen, es soll aber soweit ausgezupft werde, damit es drunter nicht zu schimmeln beginnt und immer ausreichend Belüftung der Traube gewährleistet ist.

Traubenschluss ist dann, wenn die Trauben ausgewachsen sind, sie so groß sind, dass man also das Gestängel nicht mehr sieht. Dann geht die ganze Energie nur noch in den Reifeprozess und in die Süße.

Tiere und Pilze sind die Feinde der Traube. Die Schutzmaßnahmen sollen sie abhalten. Das kann physisch sein durch Gitter, Netze, durch Feromonfallen (Verwirrung der Insekten), das kann aber auch durchs Spritzen erfolgen – je mehr Bio – umso weniger Mittel stehen dafür zu Verfügung.

Gelernt haben wir: Irgend einen Schädling oder Pilz hast immer und ohne Spritzen geht gar nix. Man darf aber nicht knapp vor der Ernte spritzen, es gibt „Wartezeiten“, die man abwarten muss, damit sichergestellt ist, dass das Zeug wieder richtig abgewaschen wird (meist länger als 5 Wochen!). Stellt euch das mal bei Erdbeeren vor. Die werden auch gespritzt, aber da wird keine 5 Wochen gewartet.

Was wir mitgeschrieben haben und uns merken wollen:

Der echte Mehltau führt zu Schimmelgeschmack im Wein – da kann man gar nichts mehr machen. Der falsche Mehltau führt zu Ernteausfällen, aber was geerntet wird, kann verwendet werden – ist den Weinbauern so fast lieber. Einen der beiden hat man aber fast immer.

Sobald der Traubenschluss vorüber ist, die Beeren weich werden und mit der Wachsschicht überzogen sind, kann man mi t dem Pflanzschutz aufhören. Dann sind sie resistent.

Als Verrieselung bezeichnet man das Vertrocknen und Absterben unbefruchteter Beeren,

Junge Beeren sind besonders anfällig für den echten Mehltau.

Wenn große Beeren aufplatzen und die Kerne sichtbar werden, dann ist das der vom echten Mehltau verursachte Samenbruch.

An den Beeren kann man den echten Mehltau (Oidium) und den falschen Mehltau (Peronospora) gut unterscheiden. Beim ersteren gibt’s einen Überzug, der wie eine Mehlschicht aussieht, beim zweiteren einen Pilzrasen, der ein bisschen wie Watte oder in Zucker getaucht aussieht.

Die vom Menschen unbeeinflusste Natur bildet ein natürliches Gleichgewicht. Sobald man eingreift – wie im Weingarten – muss der Mensch auch wieder dafür sorgen, dass das Gleichgewicht hergestellt wird. Wenn man Einfluss nimmt, muss man Einfluss nehmen. Monokulturen bringen zwar mehr Ertrag, sind aber auch anfälliger für Schädlinge. Zur Sicherung des Ertrags müssen die Schädlinge unter der Schadenswelle gehalten werden. Das Ziel muss sein alle natürlichen Begrenzungsfaktoren auszunutzen. Die chemische Keule sollte nur eine kleine Untermenge aller Maßnahmen darstellen.

Mögliche Verfahren sind: Kulturverfahren, Phyikalische Maßnahmen, Biologische Verfahren, Biotechnologische Verfahren und chemischer Pflanzenschutz. Dabei muss jede Maßnahme des Winzers nicht nur ökonomisch sinnvoll sein, sondern auch ökologisch.

Ziel ist nie, den Schädling völlig zu vernichten, sondern nur, ihn unter der jeweiligen Schadenswelle zu halten.

Die kontrollierte integrierte Produktion (ÖPUL = Österreichisches Programm zur umweltbezogenen Landwirtschaft) gibt genaue Richtlinien für den biologischen Weinbau. Man tut genau das Richtige, und nicht zu viel: zum richtigen Wetter das Richtige, zur richtigen Jahreszeit das Richtige und zum richtigen Rebstand das Richtige. Zu viel Düngung führt zu zu schnellem Wachstum und das verengt die Triebe und die Nährstoffe kommen nicht zur Traube.

Und: Bio hört am Feld nicht auf.

Es geht im Keller weiter. Man klimatisiert nur dann, wenn es nötig ist. Die letzten Jahre zeigen, dass auch in guten Weinkellern mittlerweile die Hitze eindringt und es nötig sein kann, ab Mai eine Klimaanlage zu aktivieren.

Auch wie man mit Geräten, Werkzeugen und Maschinen umgeht, ist Teil von Bio, die Treibstoffe, der schonende Einatz, einfach der bewusste Umgang. Warum Spritzmittel gegen das Unkraut einsetzen, wenn man auch Schafe aufs Feld stellen kann?

 

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