Winzerjahr Modul 5 – Tag 2: Der Bioweinhof von Toni Schmid

Der zweite Tag startete pünktlich um 9:00 mit der Abfahrt des Busses ins Weinviertel zur Kellergassenführung. Aber erst gings mal durch das Gebiet der Großtrappe und durchs Straßertale.

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Nach etwa einer Stunde kamen wir beim Gschweicher, einem Weingut in Röschitz. Er hatte gerade Baustelle und wir hatten eine romantische Begrüßung im Dunklen, weil es Probleme mit dem Strom gab. Der Keller war wenig aufregend, viel Stahl, ein wenig Holz und viel Lagerraum um Jahrgänge reifen lassen zu können.

Die edelste Lage (Kellergasse) durften wir begehen, das Gescheine kommt grad heraus, und ein Proof of Concept mit einer Bewässerungsanlage läuft. Der Brunnen wurde bis 37m Tiefe gegraben.

Dann gings auch schon wieder zum Verkosten, es gab ganze 10 Weine zum Probieren und das nicht in irgendwelchen Gläsern – nein, man spürt es gleich: Zalto Gläser warns. Der Vergleich zwischen einem jungen Veltliner und dem 8 Jahre lang gereiften war besonders lehrreich. Der junge hatte Säure und Früchte, aber es fehlte etwas. Thomas und Sarah waren aber Feuer und Flamme und versprachen:

„Der macht in 5 Jahren richtig viel Freude.“

Das wollten wir sehen. Der Winzer ließ sich nicht lumpen und brachte den gleichen Wein Jahrgang 2011 – und tatsächlich, aus Zitrusfrüchten war Orangenzeste geworden, aus der fiesen Säure war eine gut eingebundene geworden und der Alkohol war mild. Er war richtig gut und wie Sarah und Thomas vorhergesagt hatten, ein herrlicher Speisebegleiter. Herr Gschweicher lag mit seiner Taktik – seine Weine reifen zu lassen und dann erst zu verkaufen genau richtig. Er verkaufte richtig viel und dann gings weiter zum Mittagessen: Spargelduett, Spargelsuppe und Backhendlsalat und ein halbes Erdbeerknöderl mit Nicole.

Nach dem Mittagessen lernten wir in Strading die Frau vom Toni, Sonja Schmid, kennen. Sie ist zertifzierter Kellergassen Guide und machte mit ihrem charmanten Dialekt die Führung durch Stradings Kellergasse. Wir lernten Geschichtliches und Architektonisches (Lehm, Bauweisen, Verzierungen, weiche Kalksteine – die sich einfach gestalten ließen).

Warum gibts genau hier im Weinviertel diese 1000 Kellergassen? Eh klar, wegen der Lösslagen und weil es so einfach war, „Luckan“ in den Löss hineinzugraben um dort die Weine schön klimatisiert zu lagern.

Es war das Who is Who der Weinkeller – einer schöner als der andere, einer älter als der andere.

Die Brandgefahr ist natürlich bei alten Gemäuern hoch, deshalb wurden in Kellergassen viele Nussbäume gepflanzt. Diese rauchten, bevor sie brannten – und die Ortschaft wurde vom Brand in der Kellergasse durch die Rauchentwicklung alarmiert und das Schlimmste konnte verhindert werden.

Dann spazierten wir weiter zu Tonis Weingarten und bekamen weitere Einblicke in den biologischen Weinbau und die Böden des westlichen Weinviertels (Kieselalgen, Granit, Löss, Lehm). Überall hing Schafwolle rum, um die Rehe abzuhalten, Feromonfallen als Insektenschutz.

Danach ließen wir den zweiten Tag bei Toni, Sonja und den beiden Kindern ausklingen, wir wurden mit einer deftigen Jause verwöhnt (Mohnpesto, Gurken, Zwieberln, Aufstriche, Fleisch, Wurst, Käse, Brot) und natürlich fuhr er sein gesamtes Repertoire auf.

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Ich bewunderte noch die Kaulquappen der Kinder und ab gings mit dem Bus zurück nach Krems. Man mag ja nicht glauben, wie anstrengend so ein 12 Stunden Tag in den Weinbergen, Kellergassen, Kellern und Verkostungsstüberln sein kann.

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