2. Die Junganlage, Erziehungsmaßnahmen und Biologie

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Rein biologisch gesehen ist Wein ein Strauch. Ohne Erziehung wäre er eine Liane, die sich bis zu 20m ausbreiten würde. Der Wurzelstock ist verästelt, der STamm ist bastig. Die Blüten nennt man Gescheine und sie fallen kaum auf. Die Früchte bilden bis zu 4 Kerne = Samen aus.

Es gibt die Wilde Weinrebe = Vitis Vinifera sylvestris, und die Edle Weinrebe = vitis vinifera vinifera.

Samenpflanzen -> Roside -> Vitales -> Weinrebengewächse (Vitaceae)-> Weinreben (Vitis)

Die wilde Weinrebe kann Lianen bis zu 40m ausbilden und sie ist im Gegensatz zur Edlen Weinrebe zweihäusig. Bei der wilden Weinrebe kommt es nicht zum Beerenschluss – die Beeren berühren sich nicht. Die Bestäubung erfolgt durch Insekten, die Verbreitung der Samen durch Vögel. Die wilde Weinrebe ist vom Aussterben bedroht, sie darf nicht mit dem Wilden Wein (=Jungfernrebe = arthenocissus quinquefolia) und auch nicht der Wildrebe (Vitis labrusca) verwechselt werden.

Die Edlen Weinreben wurden etwa 7000 v.Chr. in Syrien, Irak und Georgien aus der wilden Weinrebe gezüchtet für die Wein und Rosinenproduktion. Es handelt sich damit um eine ältesten und heute um eine der wichtigsten landwirtschaftlichen Kulturpflanzen überhaupt.

Falsche Entscheidungen von Beginn an, wirken sich auf Langlebigkeit, Ertrag und Qualität aus. Daher muss man sich über Erziehungsformen, Unterlagsreben, Ausrichtung, Lage viel Gedanken machen. 4 Jahre lang bezeichnet man den Weingarten als Junganlage. Und gleich zu allererst: Wasser ist im jungen Weingarten wichtiger als Nährstoffe. Ab einer Trieblänge von 5-7 cm sucht man sich den kräftigsten Trieb raus und belässt nur diesen. Alle anderen werden weggebrochen.

Im Jungweingarten gibt es viel zu tun:

  • Austriebsspritzung -> haben wir leider verabsäumt. Letztes Jahr haben wir alles an Oidium verloren.
  • Schutzhüllen gegen Wildverbiss -> haben kein Wild – brauchen wir nicht.
  • Begrünung gegen Bodenabschwemmung -> nutzen wir teilweise – wir sind uns nicht sicher, ob die Vorteile wirklich dafür sprechen oder ob die Nachteile nicht überwiegen. (Wasser- und Nährstoffhaushalt)
  • Wässern wässern wässern -> tun wir
  • Den gewählten Trieb immer wieder aufbinden -> tun wir
  • Einbürgern von Raubmilben -> haben wir
  • Geiztriebe entfernen -> tun wir
  • Pflanzenschutzmaßnahmen (Schwefeln!) -> tun wir seit 2025
  • Die Stockreihe von Unkraut freihalten -> da müssen wir mehr tun!
  • Boden lockern -> tun wir
  • Falls nicht paraffiniert wurde – Edelreiswurzeln entfernen -> wir haben paraffinierte verwendet.
  • Anhäufeln gegen Winterfrost -> haben wir
  • Vor dem Winter die Schutzhülle abnehmen (Gefahr einer Pilzinfektion) -> brauchten wir nicht.

Wie alle Jungen, muss auch eine Junganlage erzogen werden. Diese Erziehung dient dazu, die Triebe zu lenken, und den Rebstock lange zu erhalten. Man belässt dem Rebstock so viele Augen, dass die Triebe eine optimale Stärke und Länge erreichen und das Gleichgewicht zwischen Wuchskraft und Ertragsleistung = physiologisches Gleichgewicht gewahrt bleibt. Man sorgt dafür dass die Triebe im vorhandenen Raum optimal verteilt sind und nutzt den Raum optimal aus mit dem Ziel einen bestimmten Ertrag und eine bestimmte Qualität zu erreichen.

Es ist schwer zu beurteilen, welches die „beste“ Erziehungsform ist. Die Erziehungsform muss mit den Zielen des Weinmachers einhergehen und mit dem Klima, der Rebsorte und den wirtschaftlichen Zielen des Winzers zusammenpassen:

  • Klima: Guyot eignet sich für gemäßigte Klimazonen, während Systeme mit mehr Laubflächen wie die Lyra-Erziehung Vorteile in wärmeren Gebieten bieten können. 
  • Rebsorte: Einige Rebsorten profitieren mehr von einer erhöhten Beschattung (Pergola), andere von einer besseren Belichtung (Guyot, Lyra). 
  • Arbeitskraft und Kosten: Moderne Erziehungssysteme wie Lyra erfordern mehr Pflege und sind teurer, können aber zu höheren Erträgen führen. 
  • Ertragsziel: Manche Systeme, wie die Lyra-Erziehung, sind für höhere Erträge optimiert, während andere, wie die Pergola, auf leichtere, weniger konzentrierte Weine abzielen. 

Verbreitete Systeme sind die

  • Guyot-System: Ein weit verbreitetes System, besonders in gemäßigten Klimazonen, bei dem die Frucht- und ein oder zwei Erziehungstriebe am Drahtrahmen entlang wachsen, um optimale Belichtung und Belüftung der Trauben zu gewährleisten. Bogenförmige, biegsame, jährliche Rute als Hauptfruchttrieb.
  • Cordon-System: Eine langlebige Erziehungsform, bei der ein oder zwei Schenkel dauerhaft aufgebunden bleiben (werden zu altem Holz!) und sich an Drahtrahmen anlehnen. Für ältere und langlebige Reben! Die „Hochkultur“ nach Lenz Moser ist ein innovatives Reberziehungssystem für den Weinbau, das sich durch hohe Stammhöhe (120-140cm) , weite Pflanzabstände (reduzierte Stockdichte von max 3000 Stöcken / ha), einen Kordonschnitt mit kurzen Triebelementen und das Verteilen der Triebe an Drahtrahmen auszeichnet. Diese Methode ist darauf ausgelegt, die Blattfläche und die Belichtung zu optimieren und eine effiziente Bewirtschaftung mit mechanischen Geräten zu ermöglichen, was den österreichischen Weinbau in den 1950er-Jahren revolutionierte. Steifer, verholzter, meist horizontaler Arm als permanenter Haupttrieb.
  • Lyra-Erziehung: Eine moderne U- oder V-förmige Erziehung, die nach oben offen ist und zwei Laubwände bildet. Dies erhöht die Photosynthesefläche, verbessert die Belüftung und kann zu höheren Erträgen führen. Kommt v.a. in Südtirol zum Einsatz
  • Gobelet-System (Einzelpfahlerziehung): Eine antike und traditionelle Form, bei der die Reben an einem einzelnen Pfahl wachsen. 
  • Pergola-Erziehung: (Pergl) Eine traditionelle Methode, die wieder beliebter wird und für eine bessere Beschattung der Trauben und Arbeiter sorgt, sie kommt v.a. in Norditalien zum Einsatz.

Der Hauptunterschied zwischen Guyot und Cordon liegt in der Art des langfristigen Leittriebs: Beim Guyot-Schnitt wird ein jährlicher, biegsamer Ruten-Bogen (die „Tragrute“) an die Rebe gebunden, während der Kordonschnitt (oder Cordon) einen dauerhaft verholzten, meist horizontalen Haupttrieb („Kordon“) ausbildet, an dem die einjährigen Fruchtruten wachsen. 

Guyot-Schnitt: Der Schnitt erzeugt eine biegsame, jährliche Tragrute, die zu einem Bogen geformt und an das Drahtsystem gebunden wird.  Der Wein wird so erzogen, dass im Winter eine Rute zu einem Bogen geschnitten wird und im nächsten Jahr eine andere Rute, die dann wieder die neue Tragrute bildet, nach oben gezogen wird. (Zweijähriger Zyklus). An der Tragrute wachsen dann die einjährigen Fruchttriebe.

Kordonschnitt (Cordon): Ein oder zwei dauerhaft verholzte Leittriebe, der sogenannte Kordon oder Cordon, werden an den Draht gebunden. Im Frühjahr werden einjährige Triebe direkt am Kordon auf kurze Zapfen mit wenigen Knospen geschnitten. Der Kordon wird über mehrere Jahre hinweg gepflegt und ist eine weit verbreitete Erziehungsmethode in Regionen wie Nord- und Südamerika, Südafrika sowie Australien. 

Der Unterschied zwischen Vertiko (Kopferziehung/Einzelpfahlerziehung) und Gobelet (Kopferziehung/Einzelstockerziehung) liegt hauptsächlich in den angewandten Schnitten und der daraus resultierenden Wuchsform: Bei der Vertiko werden die Triebe vertikal an einem Stock oder Pfahl erzogen, während bei der Gobelet die Triebe zu einem buschigen, rundlichen „Kopf“ geschnitten werden, der in der Regel ohne Drahtrahmen auskommt. 

Vertiko (Kopferziehung/Einzelpfahlerziehung)

  • Methode: Diese Erziehungsmethode ist eine Form der Einzelstockerziehung, bei der die Rebe an einem einzelnen Pfahl oder Holzstock wächst. 
  • Schnitt: Im Winter werden die Triebe stark zurückgeschnitten, so dass nur wenige Zentimeter des Holzes übrig bleiben. 
  • Wuchsform: Die neuen Triebe wachsen aus diesem „Kopf“ nach oben und werden am Stock entlang nach oben gelenkt. 
  • Vorteile: Ermöglicht eine gute Belichtung und Belüftung der Trauben. 
  • Historischer Bezug: Eine alte Methode, die bereits von den Römern („Phalange“) angewendet wurde. 

Gobelet (Kopferziehung/Einzelstockerziehung) 

  • Methode: Ähnlich wie bei der Vertiko, handelt es sich um eine Form der Einzelstockerziehung, bei der die einzelnen Rebstöcke als niedrige Büsche erzogen werden.
  • Schnitt: Die Triebe werden zu einem rundlichen „Kopf“ geschnitten, der den Stock ziert.
  • Wuchsform: Es entsteht eine Art buschiger Strauch, der in der Regel nicht an Drähten oder anderen Stützsystemen befestigt ist.
  • Verbreitung: Vor allem im südlichen Italien und anderen mediterranen Regionen verbreitet.

Laubwandgestaltung:

Aufgrund der Klimaerwärmung ist es wichtig, die Traubenzone gerade beim Weißwein nicht mehr in Bodennähe zu platzieren, sondern höher. Je näher am Boden umso früher die Reife, beim Rotwein kann das aber durchaus von Vorteil sein.

Die Laubwand muss so gestaltet sein, dass das Maximum an Sonne für die Photosynthese die Laubwand trifft. Das ist vor allem beim Abstand der Reihen wichtig, da sie sich gegenseitig beschatten. Das Blatt-Frucht-Verhältnis (BFV) gibt an, dass für das Maximum an Zuckereinlagerung pro Gramm Traubenertrag eine Blattfläche von 16-20cm2 vorhanden sein muss. Auch das Verhältnis Laubwandhöhe zu Laubwandabstand ist ein wichtiger Erfolgsfaktor. Er sollte <=0,8 sein.

Ein bisschen Biologie – der Aufbau der Weinrebe:

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