
Einschlaufen: Je nach Erziehungssystem werden die Triebe zwischen einem Drahtpaar eingeschlauft oder am Draht vorbeigeflochten.
Laubarbeit: Zur Laubarbeit gehören Jäten (Ausbrechen), Auslichten der Traubenzone, Einschlaufen, Gipfeln, Ausgeizen. Die Laubarbeit ist während der Vegetation eine Ergänzung zum Rebschnitt und der Erziehungsmaßnahmen um optimale fotosynthetische Bedingungen für alle grünen Rebteile zu schaffen, damit hochwertiges Traubenmaterial produziert werden kann. Sie optimiert das Blatt-Fruchtverhältnis, die Belichtung und Beschattung, verbessert die Holzreife, Reduziert Pilzinfektionen und ist damit ein indirekter Pflanzenschutz, hilft dabei, Mineralstoffverlusten (Kalium) vorzubeugen, und verbessert das Traubenmikroklima und damit Aromen, Farb und Phenolbildung. Ein ungünstige BFV führt zu ungünstiger Mostgradation , Traubenwelke, Frostanfälligkeit und unbefriedigender Weinqualität. Die Laubarbeit muss dem Erziehungssystem, dem Standort, der Wuchsstärke und Weinsorge angepasst sein, nicht zuletzt auch dem Klimawandel.
Für ein ausgewogenes Blatt Frucht Verhältnis sollten 8-12 Blätter je Traube sein. Wenn man von 100 cm2 je Blatt ausgeht sind das 1.200 cm2 je Traube also 0,12 m2. Wenn eine Traube 1kg wiegt ist das ca 1 cm2 je Gramm Traube. Das findet sich in der Literatur oft mit einer 10er Potenz Unterschied. Wenn man jedoch wie wir bei Prieler im Weingarten war, und 1m2 Laubwand je Rebe sieht, kann es gar nicht anders sein.
Auslichtung der Traubenzone: Generell kommt es nicht auf die Anzahl der Blätter an, sondern deren Besonnung. Die Fotosynthese wird nicht nur durch die Lichtmenge, sondern auch durch die Qualität (Roter und blauer Farbanteil) beeinflusst. Ideal wäre den ganzen Tag viel Licht auf jedes Blatt. Entfernte Blätter werden von der Pflanze ersetzt (Geiztriebe). Je später ausgelichtet wird, umso schwerer fällt es der Pflanze die Blätter zu ersetzen. Blätter erreichen ca. am 40. Tag ihre volle Assimilationsleistung. (Uhrzeit 14:00). Ausgelichtet wird am besten ab Juni (1-3 Wochen nach der Blüte) bei starkem Wuchs, Dichtlaubigkeit, Fäulnisempfindlichkeit, hohem Niederschlag. Dadurch erhält man funktionstüchtige Blätter und hat kaum Gefahr von Mostgewichtsverlusten. Vorteile der Laubausdünnung sind: Verbesserte Durchlüftung, Verbessertes Mikroklima, verbesserte Aromenbildung (Terpene und Isoprenoide), stärkerer Säureabbau. Je früher die Trauben an die Sonne gewöhnt werden, umso geringer ist die Sonnenbrandgefahr (vor allem westseitig!) Dennoch darf durch die Teilentblätterung das BFV nicht zu gering ausfallen.
Traubenausdünnung: Ist eine der stärksten Maßnahmen zur Ertragsregulierung und eine wesentliche Möglichkeit zur Verbesserung der Qualität. Sie steigert das Mostgewicht, die physiologische Reife tritt früher ein. Man setzt sie ein, bei reichtragenden Sorten, in jungen Anlagen, bei zu schwachem Wuchs, bei anhaltender Trockenheit, wenn man hohe Qualität erzielen möchte. Man entfernt vor allem stockferne Trauben, Trauben an schwachen Trieben. Bei frühem Ausdünnen kann der Ertrag noch nicht abgeschätzt werden. Es erfolgt nach der Blüte und kann gut mit anderen Arbeiten kombiniert werden. Kann zu dichten Trauben führen (Botrytis), daher werden Trauben oft auch geteilt. Besser ist spätes Ausdünnen ab Reifebeginn und Weichwerden der Beeren. In Jahren mit frühem Blühende -> später ausdünnen, in Jahren mit spätem Blühende- > frühzeitig ausdünnen. In wüchsigen Gärten -> spät und stark ausdünnen, da die verbleibenden Trauben sehr groß werden.
Bewässerung: Die Rebe kommt mit relativ wenig Wasser aus und kann bei Bedarf Wasser aus tieferen Bodenschichten holen. Die Wurzeln können nur jene im Wasser gelösten Nährstoffe aufnehmen. Für die Rebe ist Wasser das Lösungsmittel für anorganische und organische Nährstoffe, für gelöste Gase (CO2. O2), Transportmittel für Nährstoffe und Assimilate, Hauptrolle in vielen chemischen Reaktionen (Fotosynthese), Quellungsmittel (Zelldruck), Temperaturregelung (Transpiration). Die Rebe passt sich dem zur Verfügung stehenden Wasser an. Die Rebe hat einen Wasserverbrauch von 250-300l pro Rebstock. Wenn jeder Rebe 2m2 zur Verfügung stehen sind das 140-150l / m2. Der Verbrauch hängt ab von Rebsorte, Unterlage, Alter, Hähe, Blattfläche, Witterung und Bepflanzungsdichte. In den Sommerferien benötigt die Rebe ca 75-100l/m2. Je größer die Blattfläche umso höher der Wasserverbrauch. Viel Laub ist nur bei ausreichender Wasserversorgung sinnvoll. Bei offenem Boden wird durch die Verdunstung ca 25-35l/m2 mehr benötigt. Durch Mulchen kann die Verdunstung um ca 60l/m2/Jahr reduziert werden. Begrünung benötigt zusätzlich Wasser (ca 50-90l/m2). Damit sind bis zu ca 420l/m2 pro Jahr nötig.
- Von Austrieb bis Blütebeginn wird nur wenig Wasser benötigt (Zugriff auf Winterfeuchte). (20%)
- Von Blüte bis Traubenschuluss hat die Rebe den größten Wasserbedarf. (50%)
- Von Traubenschluss bis Weichwerden (4-21 Tage) fördert moderater Trockenstress die Reife/Aromatik.
- Von Weichwerden bis Reife (6-10 Wochen) ist eine moderate Bewässerung Sinnvoll) Starker Trockenstress -> negativ auf die Zuckerbildung. Zu viel Wasser mindert den Säureabbau und fördert Fäulnis. (20%)
- Traubenreife bis Blattfall (10%)
Bewässerungstechniken: Mobile Bewässerung, Stationäre Bewässerung (Tropfer, Überkronenberegnung)
Bewirtschaftung des Bodens/Bodenpflege: Dadurch werden die physikalischen, biologischen und chemischen Eigenschaften des Bodens beeinflusst. Das hat auf das Wachstum und alle anderen Lebensprozesse der Rebe großen Einfluss. Keine Bodenpflege bedeutet Verwahrlosung der Anlage (Verlust des Garezustandes). Im Weinbau ist die Bodenfruchtbarkeit nur schwer zu erhalten -> Monokultur, Steillagen, geringer Humus, Bodenverdichtung, offener Boden. In Folge dessen kommt es zu Humusabbau, Erosion, Nährstoffverlusten, geringem Bodenleben, mangelnder Wasserspeicherfähigkeit, gestörtem Gasaustausch und damit zu Chlorose, Welkekrankheiten und Frostempfindlichkeit.
Jäten: Das Jäten ist das Ausbrechen der Jungtriebe aus Nebenaugen, der Triebe aus zu eng stehenden Hauptaugen und der unnötigen Wasserschosse aus dem alten Holz. Diese Arbeit sollte früh erfolgen, wenn die Triebe noch < 10 cm lang sind (Wundvermeidung). Dann werden die Nährstoffen den verbleibenden Trieben zugeführt. Vor der Blüte sollten auch die schwachen Triebe samt Gescheinen zugunsten der starken Triebe entfernt werden. Dadurch wird die ganze Pflanze stärker und kann sich besser gegen Krankheiten wehren. Das jäten sollte dann erfolgen, wenn keine Fröste mehr zu erwarten sind.
Gipfeln: Damit verhindert man, dass überhängende Triebe die Laubwand beschatten. Für die Versorgung benäötigt man für 2 Trauben 12-14 Blätter/Trieb. Wird das nicht erreicht, muss man die Trauben ausdünnen. Ältere Blätter assimilieren nur dann gut, wenn sie gut belichtet werden. Wenn man zu früh gipfelt, entwickeln sich viele Geiztriebe (Kompensation), Später in die Trauben (die Beeren werden größer). Zu spätes Gipfeln reduziert die Blattfläche und die Pflanze kann nicht mehr kompensieren. Phytohormonell ist es günstig, spät zu Wipfeln, es unterstützt die Assimilatverteilung in Richtung Traubeneinlagerung.
Ausgeizen: in Ertragsanlagen liefern Geiztriebe einen hohen Anteil der Assimilate in die Traube, sie müssen allerdings gut belichtet werden. Daher blässt man die Geiztriebe weiter oben, entfernt aber jene weiter unten. In Junganlagen kann durch frühzeitiges Ausgeizen der Wuchs des Haupttriebes (künftiger Stamm) gefördert werden, ist aber arbeitsaufwändig.
