Uns verfolgt schon lange der Wunsch, einen eigenen Weingarten zu haben. Aber die viele Arbeit, das Risiko – wir haben es lange aufgeschoben. Eines war klar – hauptberuflich gehts nicht, und wenn wir es nebenbei machen wollen, kann es über eine kleine Übungsanlage nicht hinausgehen. Wir konnten uns zwischen Riesling, Chardonnay und Veltliner nicht entscheiden – so nahmen wir von jeder verdelten Rebe 13 Stück. Der Riesling wurde auf Kober 5BB veredelt (eine Hybride aus Vitis riparia und Vitis berlandieri), die anderen beiden auf Fercal (eine besonders kalkresistente Sorte, Vitis berlandieri x Ugnis blanc). Und dabei haben wir schon die ersten Fehler gemacht. Der Riesling explodiert nahezu, einer trägt auf 4 Ruten 13 Trauben. Der Chardonnay wiederum brint wenig Frucht. Der Veltliner hingegen ist genau richtig. Unser Garten ist eben, aber wenigstens nicht in einer Senke. Aber beginnen wir ganz vorne:
Man muss die Region, in der man den Garten anlegen möchte erforschen, um dann die richtigen Materialien, Automatisierungsmethoden, Erziehungsform etc auswählen zu können.
Flur: Es gibt zugelassene Fluren, auf denen Wein angebaut werden darf.
Terroir: Die Franzosen fassen Lage, Klima, Boden und Material unter dem Begriff Terroir zusammen. Wir möchten gerne den Weinmaker selbst auch zum Terroir zählen. Viel Wind hilft beim Abtrocknen und verhindert Pilzinfektionen. Viel Wind kann aber auch zum Abbrechen der Triebe führen und damit die Laubwand reduzieren. Gewässer regulieren die Temperatur, große Gewässer erhöhen die Umgebungstemperatur (1°C) kleine Gewässer schädigen das Microklima (Durch die Verdunstung wird es kühler, die Luft kann nicht so viel Feuchtigkeit aufnehmen – Luftfeuchte steigt). Wälder schützen vor Wind, fördern aber Pilzinfektionen. Erhöhungen bergen die Gefahr, dass kalte Luft nicht abziehen kann.
Zum Klima gehören: Temperatur, Niederschlag, Wind, Sonnenstunden. Unter Klima versteht man die langjährigen durchschnittlichen Witterungsverhältnisse einer Region. Für den Wein am besten ist das Klima zwischen 30. und 50. Breitengrad sowohl nördlich, als auch südlich. Viel Wärme und gleichzeitig Niederschlag sind ungünstig für den Weinbau (Oidium), hohe Temperaturen (>30°C) und trockene Luft bergen Sonnenbrandgefahr. Deshalb ist 20 Grad nördlich bist 20 Grad südlich des Äquators kaum Weinbau zu finden. Die Reife der Traube (Zuckerreife) wird überwiegend (80%) durch das Klima bestimmt, nur zu 20% durch Rebsorte und Lage.
Temperatur: Zählen bei Obstbäumen die Kältestunden und die Zeit, die der Baum zum Ruhen braucht, so sind es beim Wein die Sonnenstunden (Wärmestunden nach Winkler), die wichtig sind. Sinnvoll ist Weinbau nur dort, wo die Summe der Wärmegrade über 1.000°C liegt. In Österreich misst man um 14:00 und erreicht 3.500 °C. Die Termperatur beeinflusst deutlich die Vegetationszeit. Diese liegt bei ca. 200 Tagen von Austrieb bis Laubabfall. Für eine optimale Entwicklung während der Vegetation braucht es:
- rasche Frühjahrsentwicklung (möglichst rasch große Blätter)
- keine Spätfröste nach Austrieb
- frühen Blühabschluss – hohe Qualität (Warme Temperaturen zur Blüte bringen hohe Erträge. Auch hohe Niederschläge nach der Blüte fördern den Ertrag.)
- langen warmen Sommer mit ausreichend Niederschlägen (Julidurchschnittstemperatur um 20°C). Genug für ausreichende Photosynthese, nicht zu viel um Oidium zu vermeiden.
- milden frostfreien eher trockenen Herbst
- Einen Winter, in dem die Termperatur nicht unter -20°C fällt
- Jahresdurchschnittstemperaturen von 9-13°C
- Durchschnittstemperatur in der Vegetationszeit über 14°C
- Temperatur während der Blüte zwischen 15-30°C
- Temperatur von Blüte bis Reife 20-28°C. Hohe Tag Nacht Unterschiede fördern die Aromabildung, hohe Nachttemperaturen führen zu Zucker- und Säureabbau
- mind 1.300 Sonnenstunden jährlich, optimal sind 1.700 bis 2.000 Sonnenstunden, in der Vegetationszeit 1.100-1.600
- Niederschlagsmenge von 500-600mm jahreszeitlich gut verteilt. Wenig Niederschlag zur Blüte – da störend für die Befruchtung und Gefahr der Verrieselung
Lageanalyse:
- Höhe über dem Meeresspiegel: Je höher, umso kühler umso kürzer die Vegetationszeit. Pro 100m reduziert sich die Jahrestemperatur um 0,5°C und damit das Mostgewicht um etwa 1°KMW. in Österreich wird Weinbau bis 650m betrieben.
- Neigungsrichtung: Auf Südhänge ist die Sonneneinstrahlung 3x so groß als auf Nordhänge. Osthänge sind noch empfindlich auf Fröste im Frühjahr. Optimal sind Südosthänge.
- Westhänge sind wegen der Westwinde häufig Windbruch ausgesetzt. Sonst gleichzusetzen mit Osthängen.
- Nordlage ist für den Weinbau ungeeignet.
- Ebenen sind kostengünstig zu bearbeiten, aber nicht gut für Qualitätsweinbau geeignet.
- Senken sind frostgefährdet.
- Starke Neigungen sind schwer automatisiert bearbeitbar und je steiler, umso kostenintensiver wird die Bewirtschaftung. Hanglagen liefern bessere Weine, durch Terrassierung kann eine Mechanisierung mit Kleintraktoren ermöglicht werden.
- Auch geeignete Zufahrtsmöglichkeiten (3-4m) und Möglichkeiten der Bewässerung sind zu beachten.
Bodenanalyse:
Der Boden verbindet Erde mit Atmosphäre und ist ständig der Witterung ausgesetzt und damit Veränderung. Er besteht aus Mineralien und dem Humus. Damit die Landwirtschaft Lebensmittel auf fruchtbaren Böden anbauen kann, hat sich er Weinbau auf die kargeren Böden zurückgezogen, weil die Rebe auch auf weniger fruchtbaren und trockenen Böden gedeihen kann. Auf zu fruchtbaren Böden ist die Rebe anfällig für Krankheiten. Der Oberboden besteht aus organischem Material (Humus=Dauerhumus, Nährhumus und Edaphon) und ist intensiv belebt (estehend aus Bakterien, Actinomyten, Pilzen, Algen und Bodenfauna=Einzeller, Geißeltierchen, Springschwänze, Regenwürmer, Käfer, Spinnen) und die Rebe wurzelt hier am stärksten. Der Unterboden ist die Schicht aus Verwitterungsmaterialien, darunter ist der feste Untergrund. Feinbodenkörner sind kleiner als 2mm (Sand, Schluff, Ton, Lehm oder gemischt). Gröberes Material (Kies, Grus, Steine) bezeichnet man als Bodenskelett oder Grobboden. Spricht man von Leicht- oder Schwerböden, so ist die Bearbeitbarkeit gemeint. Je mehr Ton, umso höher die Gefahr von Staunässe und Chlorose. Böden, die nicht die 3 Schichten (Ober und Unterboden, Untergrund) erkennen lassen, nennt man Rigosol – sie sind perfekt für Weinbau!
| Kalk | Für Weinbau geeignet | |
| Löss: | Kalk: hoch Sand: hoch Humus: gering | bestens, gute Erwärmung, locker, porös, Erosionsgefahr |
| Tegel: | Ton: hoch | schwierig, Chlorose – Wasser bleibt stehen – schwerer Boden aus Sediment |
| Rendsina: | Ton: hoch, alkalischer Oberboden, Humus: hoch | mäßig, Bewesserung nötig, aber gute Erwärmung, Verwitterungsboden |
| Ranker: | kalkfrei! Silikat: hoch Oberboden: sauer | mäßig, nicht tiefgründig, nicht wuchsfördernd, Bewässerung nötig, gute Erwärmung |
| Tschernosem (=Schwarzerde) aus Löss, Sediment | sehr fruchtbar, besser für Ackerbau! | gute Wasserspeicherung, hohe pflanzliche Entwicklung, viel Laubarbeit! |
| Braunerde mächtiger und fruchtbarer als Ranker | humusreicher Oberboden | gut geeignet |
Auswahl Unterlagsrebe:
Wegen der Reblaus müssen amerikanische oder asiatische Unterlagsreben verwendet werden mit dem Ziel den Reblausbefall zu vermeiden, die Weinqualität zu heben, langfristige Erträge zu sichern, Holzreife zu fördern, Frostwiderstand zu erhöhen, und eine lange Anlagenstandzeit zu erreichen. Ihre Vorteile sind: Anpassung an die Edelsorte (Veredelungsaffinität und Ertragsaffinität)und an den Boden (Adaption an flachgründige, tiefgründige, steinige Böden), Verhinderung eines Reblaus und Nematodenbefalls, Wuchsstärke, Fruchtbarkeit, Trockenheitstoleranz, Bewurzelungsvermögen. Mögliche Nachteile sind höherer Wasserverbrauch, teure Vermehrung, Übertragung von Viruskrankheiten, Affinitätsprobleme, zu starker Wuchs, zu hohe Erträge, Kalktoleranz (%CaCO3)
Auswahl Edelreisig
Man kann zwischen den zahlreichen Sorten der Europäischen Kulturrebe und den neuen pilzwiderstandsfähigen Sorten (PIWIs) und diversen Hybriden wählen. Beachte die Veredelungs und Ertragsaffinität.
Vorbereitung Boden
Bodenverbesserung wirkt der Bodenmüdigkeit entgegen. Möglichkeiten:
- Brache – mehrjährige Pause zwischen Rodung und Neuanlage durch ackerbauliche Nutzung (bspw Luzerne). Die vollständige Entfernung aller Rebteile ist wichtig. Nematoden werden reduziert, Viren beseitigt, Einarbeitung von Nährstoffen, Anreicherung mit Humus.
- Aufdüngung (nach einer Bodenuntersuchung). Ober und Unterboden müssen gut durchmischt werden und eine gleichmäßige Nährstoffversorgung über alle Schichten ist zu bewerkstelligen. Chloridarme Düngemittel verwenden! In jungen Gärten wird nur wenig Stickstoff benötigt!
- Bodenlockerung: Engerlingdichte feststellen. Max 1-2 / m2 zur Durchlüftung, dem Aufbrechen von Verdichtungen, Erhöhen der Wasserspeicherkapazität, Förderung Wurzelwachstum, Vernichtung Unkraut und Nematodenreduktion. Eventuell organische Substanzen zuführen (Mist, Stroh, Stallmist). Lockerung im Herbst und nicht bei gefrorenem oder nassem Boden.
- Auszeilen: Dient der Mechanisierung und Ausrichtung der Reben an die Himmelsrichtung. Der Maschineneinsatz bestimmt den Zeilenabstand. (Maschinenbreite + Sicherheitsabstand 15cm + Laubwandbreite + Böschungsbreite bei Terrassen)
Pflanzung:
Es versteht sich von selbst dass nur gesundes Material ausgepflanzt wird. (gut verwachsen, geschlossener Wurzelkranz). Im frühen Frühjahr aber auch im Herbst kann gepflanzt werden, am besten in einem Maikäferjahr. Die Sätzlinge müssen 1-2 Tage gewässert werden, und können gegen Kräuselmilben in eine 0,5%ige Schwefellösung getaucht werden. Alternativ wäre eine Austriebsspritzung nötig. Das Setzen paraffinierter Sätzlinge hat den Vorteil, dass sie früher vorbereitet werden können, mit Herbiziden gearbeitet werden kann und Edelreiswurzbildung vermieden wird. Dem gegenüber stehen Mehrkosten und Mehraufwand. Die Veredelungsstelle sollte 4cm aus der Erde ragen, in niedrigen Hanglagen 8cm. Zugabe von feuchter Erde und Dünger verschaffen den kleinen Pflanzen einen Vorteil. Mit dem Fuß gut andrücken, einschlemmen und auffüllen der Pflanzgrube, wie bei allen anderen Pflanzen auch, nicht vergessen. Ein Hügel kann bei paraffinierten Setzlingen gezogen werden als Schutz gegen Spätfröste. Bei nicht paraffinierten muss er gezogen werden als Schutz gegen Verdunstung, er muss nach Austriebsbeginn entfernt werden (Edelreiswurzeln). Als Werkzeuge kommen Wasserlanze (nur bei geeignetem Boden, hohe Wasserverbrauch), Spaten (hoher Aufwand), Motorbohrer (anstrengend) und Pflanzmaschine (erste Wahl, Graben, einsetzen, andrücken – nicht bei Steinen oder Hanglagen) zum Einsatz.
